Patchworkfamilie – Tipps, Vorteile & auftretende Probleme

Zusammenleben als Patchworkfamilie

Patchworkfamilie - Tipps, Vorteile & auftretende Probleme

Vor Jahrzehnten noch undenkbar, heute bereits als alltägliches Familienmodell immer mehr akzeptiert. Die Rede ist von Patchworkfamilien, die bunt zusammengewürfelt, auf dem Vormarsch sind. Zu dieser Lebensform zählen Stieffamilien, Pflege- und Adoptiveltern, aber auch gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften mit Kindern.

Was ist eine Patchworkfamilie?

Heutzutage wird jede dritte Ehe geschieden, aus Eltern werden Alleinerziehende, die den Alltag mit ihren Kindern meistern. Viele finden im Laufe der Zeit neue Partner. Häufig haben diese auch Kinder und so wird beschlossen, früher oder später zusammenzuziehen. So werden sogenannte Patchworkfamilien gegründet, in der mindestens ein Partner ein oder mehrere Kinder in die neue Beziehung mitbringt. Dabei ist das Ziel vieler Mütter oder Väter, dass ihre Kinder durch die neue Familienkonstellation Halt und Sicherheit erfahren. Keine Patchworkfamilie gleicht einer anderen und ist in der Regel variabel. Viele Patchworkeltern möchten ihr Familienglück noch mit einem Nachzügler komplettieren und so entstehen wieder neue Konstellationen im Beziehungsgeflecht. Eine Sonderform der Patchworkfamilie ist die „Wochenendfamilie“, bei der die Kinder häufig einen Elternteil besuchen, der mit einem neuen Partner zusammenlebt.

Was ist zu beachten, bevor man eine Patchworkfamilie gründet?

Patchworkfamilie

Bis das harmonische Zusammenleben in der Patchworkfamilie funktioniert, können durchaus 4-5 Jahre vergehen, in denen viele Probleme auftreten.

Ein neuer Partner für Mutter oder Vater bedeutet auch eine neue Bezugsperson für das Kind oder die Kinder. Damit verbunden ist oft nicht nur ein Ortswechsel, sondern auch ein neuer Bekannten- oder Freundeskreis. Das ist für viele Kinder nicht immer einfach und manchmal auch mit extremen Schwierigkeiten verbunden. Vielleicht wird der neue Partner/die neue Partnerin nicht akzeptiert oder es wird mit den Stiefgeschwistern endlos gestritten. Manchmal wirkt sich auch ein möglicher Orts- oder Schulwechsel negativ auf die Psyche der Kinder aus. Deshalb sollte eine neue Familienzusammenstellung reiflich überlegt sein, um nichts zu überstürzen. Treten schon im Vorfeld Probleme auf, lohnen sich behutsame Gespräche mit allen Parteien. Für Eltern und Kinder bedeutet das Leben in der neuen Patchworkfamilie in der Regel eine große Herausforderung, die manchmal sehr nervenaufreibend sein kann. Dabei sollte immer in Betracht gezogen werden, dass jedes Kind unterschiedlich auf eine Patchworkfamilie reagiert. Bis sich alles eingependelt hat, vergehen in der Regel vier bis fünf Jahre.

Positive Aspekte einer Patchworkfamilie?

Wenn auch viele Patchworkfamilien mit manchen Situationen unzufrieden oder überfordert sind, gibt es doch positive Seiten der neuen Familienform. So sind es oft die Stiefeltern, die die Kinder ihrer Partner besser beurteilen können. Zudem wird in den neu formierten Familien unter anderem Teamfähigkeit und Umgang mit dem Fremden trainiert. Gute Voraussetzung für ein harmonisches Miteinander ist deshalb eine liebevolle und achtsame Atmosphäre, die innerhalb der Familie gepflegt wird. Jede Patchworkfamilie sollte sich immer vor Augen halten, dass ihre besondere Familienkonstellation jede Menge Chancen für das innerfamiliäre Leben bereithält. Besonders positiv ist auch der Aspekt, mit vielen unterschiedlichen Bezugspersonen zusammenzuleben, so wird das Sozialverhalten der Patchworkkinder ganz von selbst trainiert.

Welche Probleme treten häufig in Patchworkfamilien auf?

Für viele neu gegründete Familien ist die Vergangenheit passé und sie glauben ihr neues Leben würde von jetzt an gleich funktionieren. Zuversichtlich erwarten sie ein Zusammenleben voller Harmonie und Heiterkeit und ziehen alltägliche Probleme nicht in Betracht. Doch ähnlich wie in der Regelfamilie ist auch das Leben in einer Patchworkfamilie keineswegs konfliktfrei. So müssen sich die Kinder in erster Linie an die neuen Partner ihrer Eltern gewöhnen. Gar nicht so einfach, denn das Kind muss zunächst den Verlust des biologischen Elternteils verkraften. Besonders schwierig wird es, wenn der neue Partner energisch versucht, Mutter oder Vater zu ersetzen. Viele Kinder reagieren darauf allergisch und wehren sich mit „Du hast mir gar nichts zu sagen.“ Anstelle von Autoritätsansprüchen ist in diesem Fall eher freundliche Zurückhaltung angebracht.

Oft sind auch psychische Auffälligkeiten an der Tagesordnung, da werden ursprünglich unauffällige Kinder aggressiv oder versagen in der Schule. Auch mit den Stiefgeschwistern kann der Alltag problematisch werden. Da treffen Einzelkinder etwa auf Geschwisterkinder und müssen ihre Rolle neu definieren. Haben sie in der Herkunftsfamilie gewisse Privilegien und Freiheiten genossen, müssen sie diese womöglich aufgeben. Manchmal kommt auch ein Geschwisterchen zur Welt, was die Rollenverteilung innerhalb der Patchworkfamilie noch mal auf den Prüfstand stellt.

Welche Tipps gibt es für ein harmonisches Zusammenleben?

Wird eine neue Patchworkfamilie gegründet, müssen alle Familienmitglieder bei der Planung mit einbezogen werden. Dabei sollte jeder, sofern das möglich ist, seine Wünsche hinsichtlich des Zusammenlebens vorbringen dürfen. Oft wird die Kindererziehung zum tragenden Thema innerhalb der neu gegründeten Familie. Von den Schlafenszeiten bis hin zum Taschengeld kann es dabei immer wieder zu Konflikten kommen, wenn etwa der eine Partner sehr nachgiebig, der andere hingegen streng ist. Deshalb ist es günstig eine gemeinsame Ebene zu finden, damit eventuelle Spannungen reduziert werden können oder gar nicht erst auftreten.

Die biologischen Eltern der Stiefkinder sollten auf jeden Fall akzeptiert und nicht ins schlechte Licht gerückt werden. Kinder reagieren auf üble Nachrede äußerst sensibel, wenn nicht gar aggressiv. Deshalb ist es immer von Vorteil ein gutes oder neutrales Verhältnis zum Expartner zu pflegen. In Patchworkfamilien ist es besonders wichtig viel und oft miteinander ins Gespräch zu kommen. Dabei lohnt es sich, auch über Konflikte offen und ehrlich zu sprechen und sie nicht unter den Tisch zu kehren.

Durch den Autor: im Themenbereich Familie & Kind abgelegt.
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